Origami im Bikini

Einen Monat lang schmückt das Berliner Bikini Haus kunterbunte Faltkunst. Verantwortlich dafür ist die französische Origami-Künstlerin Mademoiselle Maurice.

Tulpenbunt und handgefaltet: Papierskulpturen von Mademoiselle Maurice im Bikini Berlin

Das Bikini Haus ist eigentlich ein ganz schöner Ort in Berlin. Besonders schön ist dort im Erdgeschoss das große Fenster, das einen Einblick auf den direkt angrenzenden Zoo möglich macht, ohne dafür Eintritt bezahlen zu müssen. Sogar wenn es regnet, wie an jenem Morgen, an dem wir uns dort mit Mademoiselle Maurice trafen, rahmt dieses Fenster ein verlässliche schönes Bild.

Derzeit gibt es auch diesseits der Scheibe, im Bikini Berlin selbst, etwas farbenfrohes zu sehen. Rot und Magentafarben sind unter anderem die mehr als 5. 000 Papierobjekte, gefaltet aus umweltfreundlich holzfrei hergestelltem Origami-Papier, die Mademoiselle Maurice dort jüngst aufgestellt und vor allem – gehängt hat. Von weitem, oder bei Kurzsichtigkeit ohne Brille oder Linsen, sieht die Installation aus wie ein riesiger Schwarm Fantasieschmetterlinge, der dort wartet und stillschweigend flirrt.

Ihr Künstlername deutet schon stark darauf hin: Fräulein Maurice wurde in Frankreich geboren. In den Savoyen, jenem Gebirge, in dem berühmte Molkereiprodukte hergestellt werden. Als Tochter einer Familie von Bauern hat sie von Kindesbeinen an mit den Händen gearbeitet – beispielsweise beim Melken. Bald wollte sie Künstlerin werden, für die Mutter war das eine Horrorvision. Das Studium der Architektur gefiel dann, aber die Arbeit selbst war nichts für Maurice. Im Büro fühlte sie sich eingeengt wie in einem Stall. Nachts fing sie an, die Mauern in Paris mit Origamivögeln zu bekleben. Das sprach sich herum, die Pariser, die sich für Straßenkunst interessieren, organisierten erste Ausstellungen für sie. Schablonenbilder hat Mademoiselle Maurice, die mittlerweile in Marseille lebt, ebenfalls im Angebot. Während unseres Interviews im Bikini Berlin fiel uns ein purpurroter Fleck auf ihrem Handrücken auf – Lippenstift?

„Nein“, sagte die Künstlerin. In der Nacht vor der Ausstellungseröffnung war sie Schablonenbilder malen im alten Stadtbad Wedding, das mittlerweile leer steht. Auf eine verschlungene Weise hat sie es geschafft, den eigenen Zukunftswunsch Kunst und den von ihrer Mutter mit der Architektur in sich zu vereinen. Die Installation im Bikini Haus, einem Denkmal des Mid Century-Stils in Berlin, dürfte da einen vorläufigen Höhepunkt markieren – zudem, die Mutter wird’s freuen: total legal.

Und übrigens: Angst vor Falten hat eine Origamikünstlerin nicht.

„When the Sky meets the Earth“ ist noch bis zum 30. April zu sehen.

27.03.2017 | Kategorien Ausstellungen, Berlin, Event, Kunst | Tags , , , ,

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