Turner Prize
2016

In der Londoner Tate zeigen ab heute die diesjährigen Turner-Preis Finalisten ihre Werke. Unter anderem ist auch ein überdimensionaler Hintern für den Kunstpreis nominiert!

© Tate London

Im Dezember wird in London bereits zum 32. Mal der Turner Prize vergeben – eine der bedeutendsten Auszeichnungen für junge,  aufstrebende Künstler Großbritanniens. Organisiert wird die Preisvergabe von der Londoner Tate und damit von Jahr zu Jahr Maßstäbe in der Kunstwelt setzt. Wer hier bedacht wird, von dem wird man erfahrungsgemäß noch hören. In der Vergangenheit heimsten Künstlergrößen wie Anish Kapoor (1991), Damien Hirst (1995), Wolfgang Tillmans (2000) und zuletzt das Architekten-Kollektiv Assemble (2015) den begehrten Kunstpreis ein.

Auch wenn die Preisverleihung in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen immer wieder in die Kritik geraten war (Vorwurf der Bestechung an die Jury, „das Event sei zu einem reinen Marketingsinstrument verkommen“ etc.), treibt sie den Demokratisierungsprozess der Kunst laut Jury weiter voran. Besucher der Ausstellung werden in diesem Jahr sogar ausdrücklich aufgerufen, die ausgestellten Werke zu fotografieren und über die sozialen Kanäle zu verbreiten.

Bevor der Kunstpreis im Dezember diesen Jahres von einer hochkarätigen Jury an einen der herausragenden Künstler_in übergeben wird, zeigen die Finalisten für 2016 ihre Werke der Öffentlichkeit. In einer gemeinsamen Show werden in der Tate ab heute die Arbeiten von Helen Marten, Anthea Hamilton, Josephine Pryde und Michael Dean präsentiert.

© Tate London

Helen Marten, * 1985 in Macclesfield, lebt in London:

Die multimedial arbeitende Künstlerin zeigt drei Installationen. Marten zerlegt wiederkehrende Elemente urbaner Szenerien mittels Manipulation, Abstraktion oder Collage-Techniken und lädt sie so mit neuer Bedeutung auf. Permanent hinterfragt sie die Ordnung der Dinge und durchkreuzt damit die Macht der Gewohnheit, die sich oftmals über unseren Alltag legt.

Sie selbst beschreibt ihre Arbeiten als „visual riddles or puzzles“. Mehr über Helen Marten erfahren Sie hier.

Anthea Hamilton, * 1978 London., lebt in London.

Anthea Hamilton ist unter anderem mit einem überdimensional großen (und obendrein goldenen) Hintern in der Gruppenausstellung vertreten. Die Installation ist im vergangenen Jahr für ihre Schau „Lichen! Libido!(London!) Chastity!“ entstanden und wurde zum Publikumsmagnet.

Inspirieren lässt sich Hamilton nach eigenen Aussagen von dem französischen Autor und Dramatiker Antonin Artaud, der die Idee der „physical knowledge of images“ entwickelte. Wer sich auf eine experimentelle Reise mit der Künstlerin begeben will, sollte sich unbedingt weitere Arbeiten von ihr anschauen.

Josephine Pryde, * 1967 in Alnwick, Northumberland, lebt und arbeitet in London und Berlin.

Josephine Pryde unterrichtet als Professorin für Zeitgenössische Fotografie an der Universität der Künste Berlin. Daneben arbeitet sie auch als bildende Künstlerin und beschäftigt sich in ihrem Werk mit einer Bandbreite dessen, was „Fotografie“ sein kann – ob materieller oder diskursiver Natur.

In der Tate präsentiert sie die Arbeiten The New Media Express (Ja, sie können hier tatsächlich auf dem Wagen einer Miniatureisenbahn sitzend die Ausstellung betrachten) und Hands für Mich, die bis vor kurzem auch auf der neunten Berlin Biennale zu sehen waren. Mehr Details zu Pryde und ihrem Werk finden Sie hier.

Michael Dean, * 1977 in Newcastle/ Tyne, lebt und arbeitet in London.

Für Dean ist das Schreiben notwendiger Bestandteil seiner Kunstpraxis. Seine groß angelegten Plastiken und Installationen basieren meistens auf einem Wort, das immer den Anfang einer neuen Arbeit markiert. Zu seinen Installationen kombiniert er begleitend Texte und Wortfetzen, die der Besucher anschließend in gedruckter Form mit nach Hause nehmen kann.

Beim diesjährigen Turner Preis zeigt Dean seine Arbeit United Kingdom poverty line for two adults and two children: twenty thousand four hundred and thirty six pounds sterling as published on 1st September 2016 (Ja, so lautet der Titel!), die aus rund 20.436 britischen Pennies besteht und sich quasi selbst erklärt. Mehr über die Arbeit des Künstlers erfahren Sie hier.

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