GROSSE ABENTEUER IN LEICHTER SPRACHE

Die Neuerzählung von Erich Maria Remarques „Im Westen Nichts Neues“ in einfacher Sprache. Ja, das sowas gibt’s jetzt. Andreas Merkel hat’s gelesen.

 

JUDGE BY THE COVER:

Schwarz-weisser Schützengraben in klarer Schulbuch-Optik. Eine einsame Blume blüht rot überm Stacheldraht und unterm Autorenname. Nichts, wofür man sich schämen müsste.

 

DER ZWEITE SATZ:

„Bei uns heißt er der Küchen-Bulle.“

 

DIE AUTOREN:

Erich Maria Remarque, geboren 1898 in Osnabrück, gestorben 1970 in Locarno, kennt jeder: Weltberühmter Autor und Marlene Dietrich-Lover, Durchbruch mit seinem autobiographisch grundierten Antikriegsroman „Im Westen Nichts Neues“, bereits in den 30ern von Hollywood verfilmt, wohin er auch vor den Nazis emigrierte.

Marion Döbert ist vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung als dessen Botschafterin ausgezeichnet worden. In diesem Bereich arbeitet sie unter anderem auch für die Volkshochschule Bielefeld.

 

DIE STORY:

Wird im Klappentext klipp und klar auf den Punkt gebracht: „Mit 19 Jahren müssen Paul und seine Klassen-Kameraden in den Krieg ziehen. Schnell erkennen sie und ihre Freunde, dass der Krieg nichts mit Held-Sein zu tun hat. Hunger und Dreck, Kämpfe und Tod machen nun ihren Alltag aus. Trotzdem versuchen sie zusammenzuhalten.“

 

WIR SAGEN:

It’s Buchmesse again und man muss überhaupt gar kein Rotweintrinker-mit-Pfeife-Hochkultur-Bashing gegen die schwergewichtigen Wälzer von Lutz Seiler über Nino Haratischwili bis Thomas Hettche anstimmen, um sich zu fragen, wer das alles wann überhaupt noch lesen soll. Wann haben Sie Ihren letzten Roman tatsächlich zu Ende gelesen? Und damit haben wir die wirklichen Fälle von Lese- und Lernschwäche noch nicht mal eingerechnet, die sich an so etwas wie Bücher schon gar nicht mehr rantrauen. Hier schafft der Verlag „Spass am Lesen“ Abhilfe, indem er Romane und Zeitungen in „einfache Sprache“, also kurze, klare Sätze übersetzt. Im Programm finden sich moderne Klassiker wie Herrndorfs „Tschick“ oder das vorliegende „Im Westen Nichts Neues“ von Erich Maria Remarque. Dessen berühmtes Epos wird von Marion Döbert in wunderbar einfachem Deutsch und kurz betitelten Kapiteln („Essen für alle“, „Pappel-Allee“, „Der letzte Abend“) nach- und neuerzählt. Im Anhang gibt es Erläuterungen zu etwas ungewöhnlicheren Wendungen, die im Text hervorgehoben werden. Lieblingserläuterung: „dickfellig sein – ein dickes Fell haben. Keine Gefühle zeigen, stumpf werden. In sehr schweren Situationen schützt sich die Seele so wie mit einem dicken Fell.“ – Trauen Sie sich mal wieder an einen Roman und lesen einfach mal „Im Westen Nichts Neues“ auf 150 Seiten!

 

DER BESTE SATZ:

„Wir machen Witze, die wir selber nicht verstehen.“ (S. 69, Kapitel „Frauen“)

 

KLAPPENTEXTVERSPRECHEN:

„Erich Maria Remarque konnte die eigenen Kriegs-Erfahrungen und die von anderen Soldaten nicht vergessen.“

 

„Erich Maria Remarque: IM WESTEN NICHTS NEUES – In Einfacher Sprache“ von Marion Döbert. Spass am Lesen-Verlag 2014. 152 Seiten, 11€.

 

Mehr erfahren Sie hier: https://www.einfachebuecher.de/product.php?productid=17732&cat=0&featured=Y

 

  • ANDREAS MERKEL

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