Die Zukunft New Yorks und der totale Rausch

Großstädte, Krisengebiete und Hitlers Crystal Meth: Beim Internationalen Literaturfestival in Berlin lesen Michael Cunnigham, Navid Kermani, Jenny Erpenbeck und Norman Ohler.

© Internationales Literaturfestival Berlin

Da kann man schon mal den Überblick verlieren: Beim Internationalen Literaturfestival Berlin lesen in elf Tagen nicht weniger als 150 Autoren, und das auf 180 Veranstaltungen. Schließlich geht es, richtig, um nicht weniger als die Literatur der Welt.

Unter den Gästen ist unter anderem Bestseller-Autor Michael Cunningham, dessen Roman The Hours nicht nur den Pulitzer Prize for Fiction und den PEN/Faulkner Award gewann (und damit die renommiertesten Auszeichnungen des amerikanischen Literaturbetriebs), sondern mit Julianne Moore, Nicole Kidman und Meryl Streep 2002 starbesetzt verfilmt wurde. Einen Oscar gab es dafür auch noch. Beim Berliner Literaturfestival wird Cunningham aus seinem aktuellen Roman Die Schneekönigin lesen, dessen Protagonisten sich von Hoffnung geblendet durch ihr Mittvierzigerleben im winterlichen New York kämpfen. Um New York  geht es übrigens auch in Cunninghams zweiter Veranstaltung: In der Reihe Zukunftsstadt unterhält er sich mit Omar Akbar über die Stadt der Mythen – und die Zukunft der Metropole aller Metropolen.

© Richard Phibbs

Norman Ohler, der in den Neunzigern den wohl ersten Internetroman veröffentlichte (Die Quotenmaschine) und um die Jahrtausendwende in seinem Buch Mitte über Abrisshäuser, Drogen, surreale Zwischenwelten aus der Kombination dieser beiden Zutaten sowie Investoren in Berlin-Mitte schrieb, erzählt unter dem Titel Der totale Rausch vom Drogenkonsum im Dritten Reich. Schließlich seien Hitlers Blitzkriege – trotz einer allgemeine Politik der Rauschmittelbekämpfung – erst durch den millionenfachen Einsatz von Crystal Meth möglich geworden. Und Hitler selbst auch ganz gut medikamentiert gewesen.

© Katharina Behling

Jenny Erpenbeck präsentiert unter anderem unveröffentlichte Prosatexte, Navid Kermani liest aus seinem neuen Roman Ungläubiges Staunen und erzählt in verschiedenen Reisereportagen aus Afghanistan, dem Iran, Kaschmir, Pakistan und Syrien. Auch Künstler Ai Weiwei, der im Vorfeld schon in der Berliner Philharmonie mit dem chinesischen Schrifsteller Liao Yiwu über Freiheit und  Dissidententum (und die Frage, ob man dabei auch mal die Hose ausziehen darf) diskutierte, wird beim Literaturfestival zu Gast sein.



Internationales Literaturfestival Berlin

9. – 19. September 2015

Detaillierte Informationen zum Programm hier

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