"Ich lese, während der Cop mir ein Ticket gibt"

Junot Díaz über sein Leben mit Büchern.

Junot Díaz gilt spätestens seit seinem Erfolgsroman ›Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao‹ als der „neue Literaturstar aus Amerikas Obama“ – auch wenn er dieses Label selbst als „Comedy“ abtut. Allerdings wurde er 1968 in der Dominikanischen Republik geboren und kam wie Yunior, das Alter Ego aller seiner Geschichten, bereits als Kind in die USA. Für „Oscar Wao“ erhielt Díaz den Pulitzer-Preis und das MacArthur »Genius« Fellowship. Zuletzt ist sein Erzählband „Und so verlierst du sie“ im Fischer-Verlag erschienen, und so haben wir uns mit ihm auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin getroffen, wo er uns ein paar indiskrete Fragen über sein Leben mit Büchern warholesk knapp beantwortet hat. Junot Díaz führte das Gespräch im Stehen, stretchend an einen Holztisch gelehnt, gutgelaunt auf den Interviewer herabblickend. Der Rücken, wir verstehen!



INTERVIEW: Ist Ihr Leben eher ein Roman oder ein Sachbuch?

JUNOT DÍAZ: Ein Leben, wie ich es führe, ist zu still für Bücher. Ich unterrichte Studenten, ich mache meine Gemeindearbeit, ich besuche meine Freunde und deren Kinder. Ich lese. Ich danke Gott, dass mein Partner etwas für mich empfindet. Und wenn ich Zeit habe, reise ich.

INTERVIEW: Bücher auf Ihrem Nachttisch, right now?

DÍAZ: „Persuasion”, von Jane Austen, “Erasure” von Perceval Everett.

INTERVIEW: Wie riechen Bücher?

DÍAZ: Nach meiner Kindheit.

INTERVIEW: Welches Buch haben Sie zuletzt tatsächlich zu Ende gelesen?

DÍAZ: Dumas’ “Die Drei Musketiere”. Dumas stammt auch von meiner Insel, I miss home a bit these days.

INTERVIEW: Welches Buch hat Sie zuletzt mit auf eine Reise genommen und wohin bloss?

DÍAZ: Paisley Rekdals „Intimate“. Versetzte mich zurück in die Zeit der alten American Frontier, wie Edward S. Curtis sie in seinen berühmten Fotos versucht hat einzufangen. 

INTERVIEW: Welches Buch flog schon mal gegen die Wand?

DÍAZ: Ich habe niemals in meinem ganzen Leben ein Buch gegen eine Wand geschmissen.

INTERVIEW: Ja oder Nein: Lachen Sie beim Lesen?

DÍAZ: Yes.

INTERVIEW: Wo lesen Sie am liebsten?

DÍAZ: Überall. Ich lese, während ich warte, dass der Cop mir den Strafzettel ausfüllt.

INTERVIEW: Essen oder Trinken während der Lektüre?

DÍAZ: Nope. Die Seiten sind gehaltvoll genug.

INTERVIEW: Wissen Sie noch eine gute Sexstelle aus einem Roman?
DÍAZ: Not really. Das Leben ist besser mit Sexszenen als jedes Buch sich träumen lassen könnte. Aber Bücher haben andere unnachahmliche Vorzüge.

INTERVIEW: Irgendwelche Klassiker, die Sie kalt lassen?

DÍAZ: Ayn Rand-Bücher. Sind das Klassiker?

INTERVIEW: Lieblingsname aus einem Roman?

DÍAZ: Lilith Iyapo

INTERVIEW: Ein Lieblingsbuch mit 17 und wann zum letzten Mal gelesen?

DÍAZ: Stephen King’s “The Stand”.  Letztes Jahr.

INTERVIEW: Wer soll Ihre Biographie schreiben?

DÍAZ: Jemand mit einer großen Toleranz gegenüber Idiotentum.

INTERVIEW: Gibt es ein “good reading” im “bad living”?

DÍAZ: I’m so not sure.



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Von Andreas Merkel