Karl Bruckmaier: THE STORY OF POP

JUDGE BY THE COVER:

Gewichtig schwarzer Einband ohne Schutzumschlag. Coverboy hält sich Mothers of Invention-Cover vors Gesicht und linst gefährlich Richtung Coffeetable-Buch.

ZWEITER SATZ:

"Vielleicht war das Wort nur ein Laut, und irgendwann erhielt der Laut einen Rhythmus, Umba Umba.“

DER BESTE SATZ:

„Warum wiederum bis heute russische Rocksänger in unseren Augen Idioten sind, mag daran liegen, dass Pop tatsächlich nicht mehr bedeutet als drei Minuten Humptata, wenn das afroamerikanische Moment, wenn diese komprimierten Jahrhunderte Freiheits- und Überlebenswillen in der Musik abwesend sind – und das befruchtende Feedback, das sie mit den anderen Kulturen des Tiefenlandes eingegangen sind.“

DER AUTOR:

Karl Bruckmaier wurde irgendwann geboren und schreibt seit Ewigkeiten (also 1981) Popkritiken für die Süddeutsche, deretwegen allein man sich seit ca. 1981 die Zeitung kaufen muss. Zuletzt leider immer seltener, weil er auch im Radio Musiksendungen wie "Zündfunk" moderieren und Hörspiele produzieren muss. Oder dieses Buch schreiben.

WIR SAGEN:

Das bessere Buch für alle, die sich nicht so an die Uni zurücksehnen wie Diedrichsen und trotzdem nach dem Text tanzen. Bruckmaier brings the beat back: Wunderbare Erzählungen aus tausendundeiner mit Popmusik durchgemachter Nacht, historisch eingebettet nach dem So-könnte-es-noch-schöner-gewesen-sein-Prinzip. Oder wie alles begann: Im elften Jahrhundert kämpfen Mauren gegen Christen um die Herrschaft über Andalusien und holen sich Hilfe bei ihren islamischen Glaubensbrüdern aus Afrika. Schwarze Söldnerarmeen bringen die Trommel nach Europa, „ein Instrument in Händen dunkelhäutiger Wüteriche, schrecklich laut, schrecklich fremd“ – und eine Geburtstunde des Pop. Lässige tausend Jahre später kommen Leute wie John Hammond, Charlie Haden und Lady Gaga. Pop ist längst eine Maschine. „Und hätten wir die Trommel nicht, sie würde uns zuscheißen ohne Ende.“

KLAPPENTEXT-VERSPRECHUNGEN:

„Es gibt keine Erinnerung ohne Musik.“ Tennessee Williams

 

Karl Bruckmaier: "The Story of Pop" ist im Murmann Verlag erschienen. Weitere Informationen gibt es hier

 

- Andreas Merkel

17.03.2014 | Kategorien Buch der Woche, Literatur | Tags ,