Auf einen Hummerschwanz nach New York

Yoga-Männer und Entenfüße: Leanne Shapton und Niklas Maak haben ganz Manhattan zu Fuß abgelaufen. Wer und was ihnen begegnete, zeigt ihr gemeinsames Buch.

© Hanser Verlag

Keine Stadt hat es so oft in die Literatur geschafft wie New York. Paul Auster und Truman Capote widmeten sich den Straßenschluchten und vermüllten Hinterhöfen, den Schaufenstern und exquisiten Partys dieser Stadt, ebenso James Baldwin oder J.D. Salinger. Filmreif ist sie oben drauf, mal düster in Szene gesetzt (Der Pate), mal glitzernd und resolut unrealistisch (Sex & the City). New York ist eine Geschichte wert, weil es in dieser Stadt so viele Geschichten gibt.

Niklas Maak und Leanne Shatpton haben sie gesucht. Maak ist Buchautor und Redakteur der FAZ, Shapton arbeitet als Illustratorin und Autorin toller Bücher wie Swimming Studies oder Frauen in Kleidern (in dem Kim Gordon und Lena Dunham und über ihr zweischneidiges Verhältnis zu Kleidung plauderten). Für ihr gemeinsames Buch Durch Manhattan haben Maak und Shapton nun das Flanieren ernst genommen und über einen gemeinsamen – zugegeben sehr ausgedehnten – Spaziergang durch Manhattan geschrieben.

© Leanne Shapton

Mehrere Tage brauchten sie, um vom Staten Island Park im Süden der Insel in einer schnurgeraden Linie bis in den äußersten Norden Manhattans zu marschieren. Sie wanderten vorbei am goldenen Trump Tower, der 1930 für ein paar Wochen der höchste Wolkenkratzer der Welt sein durfte, bevor ihn das Chrysler Building mittels heimlich montierter Stahlspitze überragte. Vorbei am sonderbar tempelhaften Woolworth Building, das Frank Winfield Woolworth, Sohn eines Kartoffelbauern, einst bar bezahlte, während Präsident Woodrow Wilson die Beleuchtung in Kraft setzte. Durch Bäckereien in Little Italy, in denen man Lobster Tails (Blätterteigtaschen mit Cremefüllung) verkauft und Restaurants in China Town, wo blutige Ententeile im Fenster zur Schau gestellt werden.

Auf ihrem Spaziergang trafen und beobachteten Shapton und Maak unzählige Menschen. Verzweifelte Telefonbesitzer etwa, die nachts ihre Geräte im Apple-Store am Central Park notoperieren lassen, und Männer mit gepflegten Bärten, die sich in Coffeeshops über Yoga- und Ayahuasca-Routinen austauschen. Einige erzählten ihnen ihre Lebensgeschichte. Maak schrieb die Anekdoten auf, Shapton zeichnete dazu Aquarelle. Wie sieht sie eigentlich New York heute? Wir haben ihr ein paar kurze Fragen gestellt.

INTERVIEW: Sie sind einmal von unten bis oben durch Manhattan gelaufen. Wie lange waren Sie unterwegs?

LEANNE SHAPTON: Drei Tage. Zwischendurch haben wir Pausen gemacht, um zu essen, andere Arbeiten zu erledigen, Menschen zu treffen, Familiendinge. Wir haben gar nicht erst versucht, das in einem Rutsch zu schaffen.

INTERVIEW: In Manhattan wimmelt es von Food-Trends, Fön-Bars – welche Novitäten nerven Sie gerade?

SHAPTON: Eigentlich gehe ich nur an Orte, die ich mag, darum nervt mich eher wenig. Der Verkehr ist grundsätzlich schlimm, die U-Bahnen sind heiß – aber das gehört zum Leben in der Großstadt.

INTERVIEW: Ständig hört man, wie extrem New York sich in den letzten Jahren verändert hat. Was fehlt Ihnen im Manhattan von heute?

SHAPTON: Da ich hier lebe, fehlen mir eher andere Orte. Klar, ein paar Lieblingsrestaurants haben geschlossen. Ansonsten vermisse ich die Orte, an denen ich in New York gelebt habe, als ich jünger war. Und das Alter, in dem ich war, als ich dort lebte.

INTERVIEW: Warum ist New York trotzdem die beste Stadt der Welt?

SHAPTON: Finde ich gar nicht! Eigentlich mag ich Toronto noch ein bisschen lieber. Aber es ist eine großartige Stadt, um seine Ziele zu erreichen.

Durch Manhattan von Niklas Maak und Leanna Shapton ist im Hanser Verlag erschienen.