LILIAN LOKE
"Bei mir fliegen einige Bücher gegen die Wand"

Kein Buch lässt sie kalt, und einige mussten schon dran glauben: Die Schriftstellerin Lilian Loke im Lese-Fragebogen.

© Sebastian Arlt

Zur Buchmesse in Leipzig stellt INTERVIEW.de täglich neue deutsche Autoren im Bücher-Fragebogen vor. Heute gibt die 1985 in München geborene Lilian Loke Auskunft über ihr Lesen. Loke ist studierte Literaturwissenschaftlerin und arbeitet als PR-Beraterin für eine Münchner Agentur im Ressort Bauen & Wohnen. Jetzt hat sie ein sensationelles Debüt hingelegt: Ihr Roman Gold in den Strassen (Hoffmann & Campe) ist das Psychogramm eines Frankfurter Luxusimmobilienmaklers aus kleinen Verhältnissen, der mit einem vom Vater geerbten Grundstück „Wolf of Wall Street“ spielen will. „Seit Rainald Goetz‘ Johann Holtrop ist nicht mehr so atemlos und unsentimental über Aufstieg und Fall eines Mannes erzählt worden, der sich mit Leib und Seele an den Moloch Kapital verkauft“, fand die FAZ.

INTERVIEW: Ist Ihr Leben eher ein Roman oder ein Sachbuch?

LILIAN LOKE: Meistens eher ein Dilbert-Comicstrip.

INTERVIEW: Welche Bücher befinden sich gerade auf Ihrem Nachttisch?

LOKE: Flann O’Briens Der dritte Polizist, Stephen Kings Needful Things, Dostojewskijs Aufzeichnungen aus dem Kellerloch und Luhmanns Die Wirtschaft der Gesellschaft.

INTERVIEW: Wie riechen Bücher?

LOKE: Warm.

INTERVIEW: Welches Buch hat Sie zuletzt mit auf eine Reise genommen? Und wohin bloß?

LOKE: John Banvilles Ghosts an den dänischen Strand.

INTERVIEW: Welches Buch haben Sie zuletzt tatsächlich zu Ende gelesen?

LOKE: Stephen Kings Das Leben und das Schreiben und Ian McEwans Der Zementgarten.

INTERVIEW: Welches Buch ist schon mal gegen die Wand geflogen?

LOKE: Joyce’ Finnegans Wake, Manns Zauberberg, Jane Austens Mansfield Park und noch ein paar mehr. Bei mir fliegt einiges mal an die Wand. Das meiste hebe ich aber wieder auf.

INTERVIEW: Ja oder Nein: Lachen Sie beim Lesen?

LOKE: Oh ja.

INTERVIEW: Wo lesen Sie am liebsten?

LOKE: Im Bett. Lesen ist zielgerichtetes Träumen.

Lilian Loke: “Gute Bücher bieten guten Return on Investment.”
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INTERVIEW: Essen oder Trinken zur Lektüre?

LOKE: Rauchen.

INTERVIEW: Wissen Sie noch eine gute Sexstelle aus einem Roman?

LOKE: Wilhelm Genazinos Abschaffel, letzte Szene. Nicht sexy, aber gut.

INTERVIEW: Gibt es einen Klassiker, der Sie völlig kalt gelassen hat?

LOKE: Kalt lässt mich kein Buch, siehe Wandwürfe.

INTERVIEW: Lieblingsname aus einem Roman?

LOKE: Chance aus Jerzy Kosińskis Satireroman Being There, ein arbeitsloser Gärtner, der durch seine kindlich naiven Äußerungen zur gesellschaftlich gefeierten Persönlichkeit Chauncey Gardiner avanciert. Mit Wirtschaftsweisheiten wie: „In a garden, things grow … but first they must wither“.

INTERVIEW: Ein Lieblingsbuch mit 17 und wann zum letzten Mal gelesen?

LOKE: Samuel Becketts Endspiel und Georg Büchners Woyzeck. Immer wieder gern.

INTERVIEW: Wie autobiographisch muss ein Roman sein, damit Sie ihn noch aushalten?

LOKE: Ich halte alles aus, solange es nicht langweilt.

INTERVIEW: Gibt es ein gutes Lesen im schlechten Leben?

LOKE: Gute Bücher bieten immer guten ROI.

INTERVIEW: Wer ist denn ROI?

LOKE: Return On Investment!

 

Von: ANDREAS MERKEL

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