DIANE KRUGER

Sie hat den Motorradführerschein gemacht (für Harley-Davidson). Und als Lederjacke tragende Rächerin den Preis als beste Darstellerin in Cannes gewonnen (für Fatih Akins Drama „Aus dem Nichts“). In Diane Krugers Kleiderschrank findet sich derweil: überraschend viel blauweiß Gestreiftes.

Foto: H&M Selected by Diane Kruger

von: Frauke Fentloh

Frauke Fentloh: Sie haben Ihre Karriere in den 90er-Jahren als Model begonnen. Denken Sie gern an diese Zeit zurück?

Diane Kruger: Schon, an gewisse Teile jedenfalls. Ich habe sehr viele Freunde in der Modebranche gefunden, Karl Lagerfeld zum Beispiel. Der Job selber fing allerdings an, etwas langweilig zu werden.

FF: Wie war das, mit 15 allein in Paris?

DK: Wir waren auf uns allein gestellt. Es gab keine Nannys und keine Übersetzer. Man bekam einfach einen Zettel mit der Adresse fürs Go See. Kann man sich ja kaum noch vorstellen! Ich glaube, heute haben die unter 18-Jährigen jemanden, der sie zu Castings begleitet. Das war damals überhaupt nicht so.

FF: Waren Sie in einer Model-WG?

DK: Ganz am Anfang schon, in meinen ersten sechs Monaten in Paris. Ich bekam einen Schlüssel und habe mir ein Zimmer mit einem anderen Model geteilt. Wir konnten kommen und gehen, wann wir wollten. Ohne Aufpasser. Meine Mutter hat mir sehr vertraut, was ich ihr hoch anrechne. Natürlich hatte ich auch viel Freiheit, was toll war.

FF: Gab es auch mal unangenehme Situationen?

DK: Wenn ich heute zurückdenke, gab es sicher einige Momente, die nicht sehr passend waren für ein junges Mädchen. Bestimmte Castings, bestimmte Fotografen. Auf der anderen Seite gab es damals weniger Models, unsere Karrieren dauerten länger. Ich habe das Gefühl, dass die Modelkarrieren heute sehr „einweg“ sind.

FF: Gerade haben Sie für H&M Kleider kuratiert. Worauf kam es Ihnen an, als man Ihnen sagte: „Das Wichtigste für den Sommer bitte mal in soundso vielen Kleidungsstücken zusammenstellen“?

DK: Es sollten Stücke sein, die man in der Stadt oder auf dem Land oder am Strand tragen kann. Ich hasse es nämlich, mit Gepäck zu reisen. Ich bin sozusagen einkaufen gegangen und habe einfach die Sachen aus der Kollektion ausgesucht, die ich gern anziehen würde.

FF: Was denn zum Beispiel?

Foto: H&M Selected by Diane Kruger

DK: Mein Lieblingsstück ist ein weißes Kleid, das kann man gut in der Stadt tragen. Darin würde ich gern am Freitag hier in New York herumlaufen, Einkäufe erledigen und später am Strand in den Hamptons sitzen, dann natürlich mit Sonnenhut.

FF: Glaubensfrage: Sind kurze Hosen in der Stadt okay?

DK: Ach, für mich schon. In New York ist es so heiß im Sommer, da sind Shorts einfach praktisch. Wenn man es sich leisten kann, sollte man sie tragen, haha.

FF: Die Stücke sind zum großen Teil blau oder weiß oder blau-weiß gestreift. Kommt da Ihre norddeutsche Seite heraus? Oder Ihre französische?

DK: Haha! Ich weiß nicht, ob es norddeutsch ist, aber generell mag ich Blau sehr gern, Hellblau meistens. Ich finde, Blonden und Blauäugigen steht das sehr gut.

FF: Dazu dürfte ja auch Ihr neues Tattoo passen.

DK: Fatih Akin und ich hatten gewettet: Falls unser Film „Aus dem Nichts“ nach Cannes eingeladen würde, müsste ich mir einen Anker stechen lassen. Das Symbol von Hamburg. Seitdem trage ich ein Tattoo am Knöchel.

FF: Sie sind in Cannes als beste Schauspielerin ausgezeichnet worden. Mussten Sie sich für den Film entglamourisieren?

DK: Nun, ich habe mich emotional schon sehr nackt gefühlt, aber die Rolle brauchte das. Deswegen denkt man nicht weiter drüber nach. Es ist natürlich auch furchteinflößender, ohne Make-up zu spielen als mit, weil man sich nicht hinter einem Charakter verstecken kann.

FF: Warum nach all den Jahren ein erster deutscher Film?

DK: Ich habe ja lange drauf gewartet, auf eine Rolle, die nicht kam! Fatih habe ich in Cannes kennengelernt. Ich bin auf ihn zugegangen und habe ihm gesagt, dass ich gern in Deutschland drehen würde und dass er mein Traumregisseur dafür wäre. Dann hat es noch mal fünf Jahre gedauert. Ich hoffe, es kommen weitere deutsche Filme. Aber ich bin schon seit 25 Jahren weg aus Deutschland, ich habe gar keinen Agenten dort.

Diane Kruger: “Fatih Akin und ich hatten gewettet: Falls unser Film „Aus dem Nichts“ nach Cannes eingeladen würde, müsste ich mir einen Anker stechen lassen.”
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FF: Ach. Man sollte meinen, dass sich die deutschen Regisseure um Sie reißen.

DK: Tja, da müssen Sie die fragen, haha.

FF: Es heißt, Sie planten bereits ein neues Projekt mit Fatih Akin, eine Serie über Marlene Dietrich. Ist da was dran?

DK: Ja, er schreibt sie gerade, und wir hoffen, Ende nächsten Jahres in Produktion zu gehen.

FF: Ein Vergleich liegt natürlich auf der Hand: die Deutsche, die Weltruhm im Ausland gefunden hat.

DK: Das hat mich immer an Marlene Dietrich fasziniert, schon als Kind. Mein Großvater hat mir ihre Filme gezeigt. Sie ist Deutschlands größter Weltstar. Und ich glaube, sie wurde oft falsch verstanden. Fatih ist ein sehr moderner Regisseur, der theoretisch nicht viel mit so einem Historiending am Hut hat, aber sich als Sohn von Einwanderern damit identifizieren kann. Es gibt viele Facetten ihres Lebens, die unbekannt sind.

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