Die Blumen des Guten

Pierre Banchereau ist Florist. Sein Laden trägt den Namen Debeaulieu. Aber das Debeaulieu ist nicht einfach nur irgendein Blumenladen in Paris, es ist der Blumenladen von Paris.

Foto: Camille Vivier

Meine Geschichte:

Nachdem ich zehn Jahre lang als Headhunter gearbeitet habe, wollte ich etwas Kreatives machen, etwas Handwerkliches, Schmückendes und Ornamentales. Also entschied ich mich, Florist zu werden. Mir gefiel das Kurzlebige und Vergängliche daran. In unserer Welt wird ja oft vergessen, dass es viele Produkte eigentlich nur saisonal gibt, aber in meiner Arbeit wird man ständig daran erinnert. Deswegen arbeite ich auch gern an Arrangements, die erst am folgenden Tag erblühen. Als ich mich für diesen Beruf entschieden habe, bin ich erst auf die Pariser Schule für Floristen gegangen, wo ich auch meinen Abschluss gemacht habe. Danach habe ich meine Hände und Augen bei drei verschiedenen Pariser Floristen trainiert, hatte dabei aber stets im Blick, dass ich einen eigenen Laden will.

<>: Lilien und Gladiolen I Foto: Camille Vivier

Meine Blumen:

Für mich sind Blumen eine Sache, die Räume mit etwas ganz Besonderem erfüllen. Sie bringen Leben, sie bringen Natur in die Wohnung, eine gewisse Frische, die mit der Architektur korrespondiert. Sie sind so etwas wie die Botschafter des Lebens. Durch Blumen kommunizieren wir Gefühle, Verlangen und Stimmungen, also grob gesagt all das, was ich in meiner vorherigen Arbeit vollkommen vermisst habe. Aber wie in jedem Bereich gibt es auch bei Blumen Moden. Als wir unser Geschäft eröffnet haben, arbeitete ich gern mit einer bestimmten Auswahl von altmodischen und vergessenen Blumen. Die biete ich heute zwar immer noch an, doch grundsätzlich verändert sich der Blick von Saison zu Saison. Man mag plötzlich neue Farben, man hat andere Wünsche. Seit ein paar Wochen mag ich zum Beispiel Sträuße mit Lilien. Dazu suche ich entweder neue Züchtungen oder versuche die klassischen auf eine moderne Weise zu verarbeiten.

<>: Pampa, Löwenmäulchen und Dahlien I Foto: Camille Vivier

Meine Arbeit:

Jeder Tag ist anders. Drei Mal die Woche besuche ich den Blumenmarkt in Rungis, um die schönsten Blumen und Pflanzen zu finden. Ich suche dann nach Blumen aus Frankreich und Europa, aber auch nach solchen, die von weiter her kommen – das hängt ganz von den Jahreszeiten und den jeweiligen Farben ab, die ich brauche. Außerdem ist natürlich die Gestaltung des Ladens und des Schaufensters wichtig, die einmal pro Woche wechselt. Ich muss mich gut organisieren, um zwischen Kundenterminen, Veranstaltungen, der Arbeit im Laden und meinem Privatleben kreativ sein zu können.

<>: Chrysanthemen, Gartenrose und Artischocke I Foto: Camille Vivier

Mein Geschäft:

Den Laden habe ich im November 2013 eröffnet, er ist im 9. Arrondissement, gerade habe wir unseren vierten Jahrestag gefeiert. Unsere Nachbarschaft hat viel Persönlichkeit, eine besondere Mischung von Leuten. Hier gibt es Familien, Intellektuelle und das hedonistische Viertel Pigalle. Ich liebe diesen Mix, er ist sehr Debeaulieu. Dass ich mich für Blumen interessiere, fing mit dem Garten meiner Großeltern mütterlicherseits an. Debeaulieu war ihr Name, und deswegen ist es auch der Name des Geschäfts. Das Geschäft ändert sich dabei ständig – andere Blumen, andere Farben, andere Schaufenstergestaltung. Unser Leitmotiv ist es, die Leute zum Träumen zu bringen, damit sie die Blumen wie mit staunenden Kinderaugen betrachten.

<>: Chrysanthemen und Orchideen I Foto: Camille Vivier

Meine Inspiration:

Natürlich bin ich von den flämischen Malern des 17. Jahrhunderts beeinflusst, ganz klar, aber auch von den Blumenfotos von Hans-Peter Feldmann, den Bilderwelten Italiens, von den Gärten, der Architektur und der Malerei. Die Kunst von Gerhard Richter ist auch immer noch sehr wichtig für mich. Neuerdings spielen aber auch japanische Einflüsse eine Rolle, Japan ist für einen Floristen einfach ein fantastisches Land. Ich freue mich schon darauf, wieder nach Japan zu gehen, um Einflüsse von dort mit französischem Know-how kombinieren zu können.

<>: Gartenrosen, Flamingoblumen und Palmenfrüchte I Foto: Camille Vivier

Meine Kunden:

Mein Stilempfinden und meine Art, die Blüten zusammenzustellen, haben mich mit der Modewelt zusammengebracht. Sie machen einen wichtigen Teil meiner Kundschaft aus. Wenn ich mit Designern arbeitete, lasse ich mich von ihren Kollektionen und den dabei verwendeten Materialien inspirieren. Ich versuche, die Farben, Texturen und Emotionen, die ihre Entwürfe auslösen, auf die Bouquets zu übertragen. Dabei sind mir Instinkt und Spontaneität besonders wichtig. Das Gefühl, das ich bei der Arbeit habe, soll quasi auf den Kunden überspringen. Neuerdings arbeiten wir auch mehr und mehr mit Ausstatten und Bühnenbildnern zusammen.

Foto: Camille Vivier

Meine Stadt:

Frankreich ist das Land der Blumen und Gärten, keine Frage. Wir Floristen tragen da eine große Verantwortung. Unsere Arbeit ist ein Bestandteil der Kulturgeschichte unserer Nation. Paris ist eine Stadt voller Facetten, die gepflegt werden wollen. Wir haben gerade viele Projekte, und es ist uns wichtig, dass man uns dabei als französische Floristen wahrnimmt. Die Energie von New York, London und Berlin ist eine völlig andere, deshalb wäre die Sprache der Blumen grundverschieden. Aber ich mag es natürlich, meine Arbeit überall auf der Welt zu zeigen.



von Harald Peters

08.01.2018 | Kategorie Magazin | Tags , ,