Rosamund Pike

Rosamund Pike ist schwer bewaffnet. Nach Bond-Girl und „Gone Girl“ spielt sie die deutsche Terroristin Brigitte Kuhlmann.

Foto: Julien T.Hamon

Von: Frauke Fentloh

Rosamund Pike ist blond, blass und schön, sie ist außerdem die Tochter von Opernsängern und Oxford-Absolventin. Empfndlich ist sie dennoch nicht. Zumindest vor der Kamera hat sie ein Händchen für schweres Geschütz. In David Finchers „Gone Girl“ metzelte sie ihren Exfreund in einer blutrünstigen Schlafzimmerszene sehr denkwürdig dahin. Im James-Bond-Film „Stirb an einem anderen Tag“ zog sie nur im Fechtduell mit Halle Berry den Kürzeren. Nun spielt Pike neben Daniel Brühl in „7 Tage in Entebbe“ die Frankfurter Linksaktivistin Brigitte Kuhlmann, die 1976 einen Airbus mit Ziel Tel Aviv entführt. Schwer bewaffnet, versteht sich.

Frauke Fentloh: Sie wurden als Bond-Girl Miranda Frost berühmt. Wahrscheinlich war Ihnen selten kalt. War die Rolle ein Fluch oder Segen für Ihre Karriere?

Rosamund Pike: Sie war fantastisch, aber ich bekam danach nicht unbedingt eine Menge Angebote. Die Leute wussten nicht, was sie mit einer 22-Jährigen anfangen sollten, die auf der Leinwand wie 35 aussieht. Ich auch nicht.

FF: Sie waren gar nicht so cool?

RP:  Sicherlich nicht. Ich war eine gammlige Studentin, kam direkt mit meinem Rucksack aus Kambodscha. Ich hätte Miranda Frost nicht weniger ähneln können, als ich in meiner Wollstrickjacke zum Vorsprechen ging. Ich sah die anderen Mädchen in engen Jeans und Lederjacken und dachte mir: „Hier gehörst du nicht hin.“ Ich bekam den Job. Sehr seltsam.

Rosamund Pike: “Meine Rebellion wäre es gewesen, eine konservative Politikerin zu werden. Oder Investmentbankerin.”
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FF: Nun spielen Sie die deutsche Terroristin Brigitte Kuhlmann. Was wussten Sie über sie?

RP: Ganz wenig, wussten Sie etwas über sie?

FF: Überhaupt nicht. Die Geschichte der RAF ist ja bekannt, aber über sie – fast nichts.

RP: Es wurde sehr wenig über sie geschrieben, es gibt kaum Fotos von ihr. Die Bilder, die es gibt, mit Brille und dunklen Haaren, scheinen aus gefälschten Pässen zu stammen, die sie für diese Mission angefertigt hatte. Dann tauchte plötzlich ein neues Foto auf. Es stammte von einem ihrer Exfreunde und zeigte eine ganz andere Brigitte. Einen irgendwie jugendlichen, unschuldigen Menschen.

FF: Woher kam ihr Extremismus?

RP: Sie glaubte an ihre Sache. Sie hatte Angst vor einem Leben ohne Bedeutung. Doch sie realisierte auch früh, dass sie gescheitert waren. Ihr war vor ihrem Mitstreiter Wilfried Böse klar, dass sie es nicht schaffen würden.

FF: Waren die beiden naiv?

RP: Sie hatten die Komplexität des Ganzen nicht durchdacht. Sie waren in Trainingscamps im Jemen. Sie hatten sich emotional an einen Punkt gebracht, an dem sie ein Flugzeug mit 236 Passagieren in ihre Kontrolle bringen konnten. Einen Jet! Während ich mich auf den Film vorbereitete, stellte ich mir im Flugzeug immer vor, wie es sich anfühlen würde, vom Sitz aufzustehen und zu schreien: „Das ist eine Entführung, keiner bewegt sich!“ Horror. Sie gingen an Bord, ohne durchsucht zu werden. Ich meine, sie trugen ihre Granaten und Gewehre einfach an Bord!

Leichtes Handgepäck: Daniel Brühl und Rosamund Pike

FF: Wie schwer el es Ihnen, grob die Hälfte des Films auf Deutsch zu spielen?

RP: Sehr schwer. Hat aber auch Spaß gemacht.

FF: Sie haben kaum einen Akzent.

RP: Das ist gut zu wissen, danke. Es war eine surreale Erfahrung, eine Szene in einer Sprache zu spielen, die ich nicht verstehe.

FF: Ihre Eltern sind Opernsänger, hatten Sie eine exzentrische Kindheit?

RP: Sie hat viel Spaß gemacht. Überall traf man Erwachsene, die spielten und taten so, als wären sie andere Menschen. Jemand hat mich mal gefragt, wann ich meine rebellische Phase hatte. Meine Rebellion wäre es gewesen, eine konservative Politikerin zu werden. Oder Investmentbankerin.

FF: Sie fanden klassische Musik als Teenager nie uncool?

RP: Klar gilt klassische Musik dann irgendwie als uncool. Aber dann auch wieder nicht. Eine schlechte Oper ist ja schrecklich. Einfach unerträglich. Eine gute ist wie ein Trip. Ich bin dann aber auch bei Ska und Reggae gelandet, und meine Eltern hätten mich wohl ungern zu den Reggae All Stars begleitet. Aber das ist wohl kaum eine Rebellion.

FF: Gerade haben Sie für Massive Attack eine Szene aus dem Achtziger-Horror- lm „Possession“ nachgespielt. Zum Glück mussten Sie nicht so viel Milch verschütten wie Isabelle Adjani im Original.

RP: Einiges war anders, bei Isabelle Adjani flog auch nicht diese Silberkugel durch die Luft.

FF: Die Ihnen eine Nadel ins Auge pikt.

RP: Dadurch sollte etwas von mir Besitz ergreifen, es geht ja um Voodoo. 3D von Massive Attack und Ringan Ledwidge, der Regisseur, hatten wahrscheinlich die wahnwitzige Mordszene in „Gone Girl“ gesehen und sich gedacht, dass ich eine gewisse Übung im Ausrasten habe.

7 Tage in Entebbeläuft im Kino.

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