Smalltalk mit Jeanne Damas

Alle sind sich einig: Jeanne Damas ist der Inbegriff des französischen Chics. Die Modedesignerin, Schauspielerin und Schriftstellerin lebt das Klischee mit der Hingabe, nach der es verlangt.

Porträt: Claude Gerber

Katja Horvat : Frau Damas, wie hat sich Ihre Heimatstadt über die Jahre verändert?

Jeanne Damas : Paris ist meine große Liebe und mein Zuhause. Ich habe kurz in New York und London gelebt, aber es zog mich immer wieder hierher zurück. Die Stadt fühlt sich für mich wie ein kleines Dorf an, ich kenne jeden Winkel. Vor ein paar Jahren haben sich die Leute ständig beschwert, dass in Paris nichts los wäre. Alle wollten nach New York oder Berlin ziehen, aber mir ging das nie so. Ich liebte Paris, als es langweilig war, und ich liebe Paris jetzt, wo immer etwas Neues los ist. Ich liebe die Grobheit der Kellner und das Frösteln auf den Caféterrassen im Winter. Diese Stadt ist frei, sie ist chaotisch, sie ist alles!

K H : Was antworten Sie, wenn sie jemand fragt, was sie machen?

J D : Ich sage, dass ich ein Modelabel namens Rouje führe. Rouje ist mein Hauptfokus, aber ich bin auch Model, Schauspielerin und seit Kurzem Buchautorin. Alle meine Tätigkeiten komplementieren einander, in meinem Kopf ist alles eine Geschichte. In eine Schublade gesteckt zu werden ist nichts für mich. Die jüngere Generation hat diese Denke weitestgehend abgelegt, alle machen alles.

K H : Französische Frauen werden verehrt für ihren Stil. Warum ist das so?

J D : Ich weiß es nicht. Ich finde, New Yorker, Londoner oder Kopenhagener Mädchen kleiden sich viel besser als wir. Aber die Französinnen haben eine Spezialität: Mühelosigkeit, aber das ist eher ein Lebensgefühl. Wir suchen nicht nach Perfektion, wir haben keine Schönheitsstandards. Ich glaube, das liebt die Welt an uns.

K H : Roter Nagellack oder au naturel?

J D : An den Händen natürlich, die an den Zehen rot.

K H : Croissants, Baguettes, Wein, Käse, unfreundliche Kellner: an welchem französischen Klischee ist am meisten dran?

J D : Croissants während der Feiertage. An normalen Tagen Baguette, Rotwein und Käse. Die unhöflichen Keller für die Ewigkeit!

K H : Treibt die Pariserin Sport?

J D : Wenn ich trainiere, dann mache ich das zweimal pro Woche mit einem Trainer und gehe zweimal laufen. Aber es kommt auch vor, dass ich sechs Monate gar nichts mache. Die ganze Fitnesssituation ist etwas schwierig für mich, und das ist ganz typisch für Paris.

K H : Würden sie sich das Gesicht straffen lassen?

J D : Noch nicht.

K H : Was stand in der letzten SMS, die sie verschickt haben?

J D : „Lass dir Zeit.“





Interview: Katja Horvat

04.12.2017 | Kategorie Magazin | Tags , , , , ,