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Im Rahmen ihrer „Piece of Me Tour“, tritt Britney Spears heute Abend in Berlin auf. Ein Grund für uns ihren Instagram-Account genauer anzuschauen, den der Popstar regelmäßig mit skurrilen Auftritten bespielt.

Instagram/Britney Spears

Von: ANNEKATHRIN KOHOUT

Aus europäischer Sicht ist es etwas ruhiger geworden um BRITNEY SPEARS, einst einer der größten Popstars der Welt. Aber keine Sorge: Ihre Show in Las Vegas hat Millionen eingefahren. Doch ihre wahre Musik spielt mittlerweile auf Instagram. Britney Spears hat im Oktober 2017 großes Aufsehen erregt, als sie ein Video auf Instagram veröffentlichte, in dem sie an einem sonnigen Tag auf der Veranda ihres Anwesens an einer Staffelei steht und malt. Und zwar ein Diptychon aus rosa-violetten Blumen auf der linken Seite und abstrakten, farbigen Wellenlinien auf der rechten. Dabei hört sie den sogenannten Türkischen Marsch von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Kombination von trashiger Popkultur (braun gebrannter Superstar mit tiefem Dekolleté) und klassischer Musik hat viele Zuschauer amüsiert, einige fanden es genial.



Wer ihre Karriere von Anfang an verfolgt hat, könnte den Verlauf als klassisches Drama in fünf Akten beschreiben – ganz nach dem Motto Nietzsches „No artist tolerates reality“, das die Popsängerin auf ihrem Instagram-Account zitiert. Der erste Akt erzählt das Märchen von der unschuldigen Schülerin in „…Baby One More Time“. Die betonte Jungfräulichkeit ist aus heutiger Sicht etwas befremdlich, war aber in den 90er-Jahren ein wichtiges Motiv. Mit dem Album „Britney“ und Musikvideos wie dem zu dem Song „I’m A Slave 4 U“ beginnt ihr Imagewandel vom unschuldigen Mädchen zur tabulosen Verführerin. Begleitet wurde diese Verwandlung im Film „Crossroads“ und der dazugehörigen Single-Auskopplung „I’m Not A Girl, Not Yet A Woman“. Das Märchen von der inszenierten Zerrissenheit endete mit ersten Skandalen, etwa dem Kuss zwischen Britney Spears und Madonna bei den MTV Video Music Awards im Jahr 2003. Der dritte Akt ist die Horrorgeschichte vom Absturz: von den Drogen- und Alkoholexzessen, vom Verlust des Sorgerechts für ihre beiden Kinder, von der nächtlichen Kahlrasur und der Entmündigung durch den eigenen Vater. Die harmlose Zeit danach, Erholung, Rückfälle, Erholung, bis sie mit dem Album „Circus“ wieder ins Musikgeschäft zurückkehrt, kann man den vierten Akt nennen.



Der fünfte Akt spielt jetzt auf Instagram. Die mehr als 18 Millionen Follower von Britney Spears werden dort Zeugen einer Läuterung des gebeutelten Stars. Sie, die immer auch als Opfer ihrer Vermarktung angesehen wurde, stellt nun aus eigenem Antrieb und mit eigenen Kräften einen Normalzustand her, der die schicksalhaften Ereignisse der Vergangenheit hinter sich gelassen hat, ohne sie zu leugnen, und der deshalb auch glaubhaft erscheint. Ja, Britney Spears zeigt sich erholt von den Skandalen und Medienbildern, die ihr immer anhaften werden. Sie präsentiert sich als selbstbewusste, erwachsene, berufstätige Frau und Mutter, die nach allem, was ihr zugestoßen ist, wieder zu sich selbst gefunden hat. „Sometimes you just gotta play!!!!!!“, kommentiert sie das Video beim Malen auf der Veranda und lässt ein anspielungsreiches Ensemble von Emojis darauf folgen, was auch bedeuten könnte, ihre Malerei nicht ganz so ernst zu nehmen.



Rebel just for kicks!!!!! 🤓🎀😎😉

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🌺🌺 🍩🍩🌈 🌈 📷:@andydonohoephoto for @bettymagazine

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Nach all den negativen Medienberichten, nach all den bösartigen Reaktionen auf ihre Person, ist sich Britney Spears für keine Peinlichkeit mehr zu schade. „Who says you can’t do fashion week at home!“, kommentiert sie eine private Laufstegsession, dahinter das zwinkernde Emoji mit rausgestreckter Zunge. Der Instagram-Account wird zum Akt der Selbstbestimmung. Das Motto: why notzky? Im Zentrum des Instagram-Accounts stehen neben den üblichen Katzenbildern und den wie wahllos aus dem Netz gefischten Motivationssprüchen die Momentaufnahmen aus dem Alltag einer Entrepreneurin in der Popindustrie. Man sieht also Britney Spears – bei ihrer Show in Las Vegas, mit ihrem Freund Sam Asghari, vor allem aber als Mutter mit ihren beiden Söhnen. An Thanksgiving kommt die ganze Familie am Esstisch zusammen, auch deren Vater Kevin Federline ist zu Besuch: „My favorite boys at my house for Thanksgiving!!!!“, schreibt Britney Spears dazu. Viel Zeit verbringt die Popsängerin in ihrem privaten Fitnessstudio, das eigenwilligerweise mit violetten Lichterketten dekoriert ist und in dem sie für die Instagram-Besucher gern einen Handstand vorführt. Überhaupt ist ihr durchtrainierter Körper immer wieder im Bild, flankiert von Blumen- und Obst-Emojis oder Kommentaren wie „staying focused“.



Found my white booty shorts 😉😉😉😉

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Es scheint, als sei ihr bewusst, dass sie an diesem Ort selbst entscheiden kann, was gezeigt wird und wie es gezeigt wird – worüber sehr lange Zeit in ihrer Karriere nur Fremde, ihr Marketing und die Medien verfügt haben. Lustvoll emanzipiert sich Britney Spears auf ihrem Instagram-Account von dieser Fremdbestimmung. Es macht Spaß, dieser Emanzipation zuzusehen, aber es wohnt ihr auch eine gewisse Tragik inne. Wenn sie leicht verkrampft auf der Terrasse im kurzen pinkfarbenen Kleid posiert und dabei zwar lacht, aber auch etwas Tieftrauriges in ihrem Blick aufscheint. Bei allem, was sie von sich preisgibt, bleibt wenig Glamour übrig, und das liegt nicht nur daran, dass sie zu viel zeigt. Im Vergleich zu anderen Prominenten repräsentiert sie nichts über sich selbst und ihr Leben hinaus. Während sich viele, insbesondere angeregt durch die Präsidentschaft von Donald Trump, politisch äußern oder sich für den Feminismus engagieren, blieb und bleibt Britney Spears diesbezüglich still. Aber das Spektakuläre an ihrem Instagram-Account ist eben auch, dass er bei aller Versiertheit im Umgang mit Bild, Text und Emojis historisch anmutet: Er zeigt einen Typus von Popstar, den es heute kaum noch gibt – der sich nicht für die Gesellschaft verantwortlich fühlt. Und zugleich ist das eine Eigenschaft, die in Anbetracht eines Überdrusses an sozialer Mitgestaltung wieder begehrenswert erscheint.



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Übrigens wurde eine Tafel des Diptychons, das Britney Spears im vergangenen Jahr im Freien malte, mittlerweile für 10000 US-Dollar versteigert. Und wer war der Käufer? Robin Leach, der von 1984 bis 1995 eine Fernsehshow mit dem verheißungsvollen Titel „Lifestyles of The Rich and Famous“ moderierte. Damals gab Leach Einblick in eine Welt, in Villen und Poolhäuser, den Prominente heute ganz freiwillig und ohne großes Tamtam auf ihren Instagram-Accounts gewähren, ganz besonders Britney Spears.



Pink has always been my favorite color 💞💞😜🎀🎀

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06.08.2018 | Kategorien Instagram, Magazin, Musik | Tags , ,