"Herr von Lowtzow, schauen Sie TRASH-TV?"

Dirk von Lowtzow, Sänger von Band Tocotronic, über Trash-Kultur, doofe Musik und die gerade veröffentlichten Tocotronic Chroniken

Foto: Universal

INTERVIEW: Herr von Lowtzow, schauen Sie eigentlich Trash-Fernsehen? Tocotronic gilt ja immer als so intellektuell …

DIRK VON LOWTZOW: Ach, das sind doch Klischees, für mich gibt es diese Unterscheidung in Hoch- und Trash-Kultur gar nicht. Manches aus der Trash-Kultur ist doch fantastisch. Buffy the Vampire Slayer kann es etwa mit jedem Werk von Dickens aufnehmen. Genauso gibt es Sachen, die zum Kanon der Hochkultur gehören, die finde ich total schrottig.

INTERVIEW: Zum Beispiel?

VON LOWTZOW: Ach Gott, so vieles! Man muss ja schon in der Schule Sachen lesen, bei denen man ziemlich schnell merkt, dass das totaler Käse ist. Die Stücke von Dürrenmatt, sage ich mal. Ich habe neulich einen Vortrag gehört über doofe Musik. Von der Musikerin und Wissenschaftlerin Ebba Durstewitz, die hat gesagt, dass manche Sinfonien von Beethoven einfach unfassbar doof sind. Da ist was dran.

INTERVIEW: Hören Sie eigentlich Ihre eigene Musik?

VON LOWTZOW: Das kann ich nur ein bis zwei Monate, nachdem ein Album fertig ist. Ungefähr zwei Monate nach der Fertigstellung des Albums kann ich es schlagartig nie wieder hören (lacht).

INTERVIEW: Weil es sich komisch anfühlt, die eigene Stimme zu hören?

VON LOWTZOW: Ja, ich glaube, es liegt am Klang der Stimme. Meine Theorie ist, dass sich die Zellen im Körper so verändert haben, dass man nach Ablauf dieser ungefähr zwei Monate ein anderer ist und die eigene Stimme als fremdartig empfindet.

INTERVIEW: Aber ansehen können Sie sich noch. Sie haben gerade ein Buch herausgebracht, Die Tocotronic Chroniken. Klingt nach Retrospektive, so abschließend.

VON LOWTZOW: Ich würde sagen, es ist eher eine Zwischenbilanz. Der Titel ist auch nicht ganz ernst gemeint, sondern eigentlich eine Paraphrase auf Ray Bradburys Buch Die Mars-Chroniken. Und natürlich auch phonetisch sehr lustig. Die To-co-tro-nic Chro-nik-en, das ist ja fast ein Zungenbrecher.

„Die Tocotronic Chroniken“ ist bei Blumenbar erschienen

 

Von: Frauke Fentloh