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Film & Fernsehen

Unsere aktuellen Tipps für Binge-watcher und solche, die es noch werden wollen!

Welche Probleme es mit sich bringt, wenn man anfängt, seine Mitmenschen zu essen, erzählt die neue Netflix- Serie Santa Clarita Diet. Darin sieht man, wie Sheila (Drew Barrymore), eine patente Immobilienmaklerin aus dem Städtchen Santa Clarita, versucht, Familie, Beruf und ihre neue Identität als Zombie unter einen Hut zu bekommen. Wie man sich denken kann, bringt das Zombiedasein allerhand Probleme rechtlicher, moralischer und organisatorischer Natur mit sich. Sheila kann von Glück sagen, dass sie mit Joel (Timothy Olyphant) einen unverhältnismäßig verständnisvollen Mann an ihrer Seite hat, der sie nach Kräften unterstützt, was etwa in einer Szene kulminiert, in der Sheila an einer männlichen Leiche herumknabbert, deren Beine derweil von Joel rasiert werden, damit sie sich nicht an dessen Körperhaaren verschluckt. Zauberhaft! (läuft bereits)

Weniger erbaulich geht es hingegen in Moonlight zu, dem jüngsten Überraschungshit und Lieblingsfilm des amerikanischen Feuilletons. Das Kinodebüt von Regisseur Barry Jenkins begleitet Chiron durch drei Stufen seines Lebens. Als Kind heißt er Little und wird von Gleichaltrigen gern verprügelt, weil sie ahnen, dass etwas mit ihm sein könnte, auch wenn Little selbst nicht so genau weiß, was es ist. Von seiner Mutter, einer cracksüchtigen Krankenschwester, kann er dabei wenig Unterstützung erwarten, aber immerhin gibt es da noch den freundlichen Dealer Juan. Der ist allerdings im zweiten Akt verstorben, was insofern dumm ist, als dass die Bullys noch leben, die Mutter immer cracksüchtiger wird und die Welt sich auch sonst eher von ihrer schattigen Seite zeigt. Ein Strahl der Hoffnung ist bestenfalls Kevin, der ihn aus heiterem Himmel küsst, wofür Chiron aber weder die Begrifflichkeit noch sonst einen halbwegs passenden Interpretationsrahmen hat. Womit wir im dritten Akt wären, in dem das ganze Drama offenbar wird und in einer muskelbepackten Sprachlosigkeit zum Ausdruck kommt, die jeden Ausdruck verweigert. Sehr schön sind in Moonlight jedenfalls die traurigen Augen des ältesten Chiron-Darstellers Trevante Rhodes und natürlich Mahershala Ali, der als Drogendealer Juan für den Oscar nominiert ist. Man könnte zwar einwenden, dass Moonlight quasi ein Anti-Coming-out-Film sei, weil weder ein Coming-out noch sonst eine Spur von Homosexualität darin vorkommen. Aber genau das ist ja gerade der Punkt, das ist das Drama. (ab 9. März)

Wenn „Moonlight“ schon nicht dazu taugt, gute Laune zu verbreiten, kommt man nach Do Not Resist so richtig mies drauf. Die fantastische Dokumentation von Craig Atkinson befasst sich mit der schleichenden Militarisierung der amerikanischen Polizei. Mittlerweile haben selbst Kleinstädte mit 20 000 Einwohnern, in denen es seit Menschengedenken kein Gewaltverbrechen mehr gab, Panzer und Granatwerfer in der Garage. Selbst bei kleinsten Drogenvergehen werden SWAT- Teams losgeschickt, um mit aller Macht einen halb gerauchten Joint sicherzustellen. Warum? Weil ein idiotischer Einsatz besser ist als kein Einsatz! Weil alle wegen der Terrorangst den Verstand verlieren. Weil das Militär, das all die schönen Waffen, die es nach Einsätzen in Afghanistan, Irak und sonst wo nicht mehr braucht, auf die Geschäftsidee kam, sie einfach an die heimische Polizei zu verkaufen. Glaubt man nicht, stimmt aber. (ab 23. Februar)

von Harald Peters