PEOPLE OF INTERVIEW
mit Asma Maroof

Sie sind kreativ, sie inspirieren, sie ­setzen Maßstäbe: Für die neue Folge unserer Serie People of Interview stellt die Musikproduzentin Asma Maroof ihre Gang vor.

Asma Maroof | Foto: Gadir Rajab | Styling: Mar Peidro | Top: Phlemuns - Hose: Topshop - Ohrringe: Mondo Mondo

Asma Maroof

Ich habe in Chicago Kunst studiert und habe dort an der Kunsthochschule das erste Mal mit einem Sound-Programm herumgespielt. Für meine musikalische Entwicklung war aber Chicago selbst viel wichtiger. Die Stadt ist wie eine riesige Sound-Bibliothek. Jazz, Blues, House. Dort hörte ich das erste Mal Clubmusik-Pioniere wie Green Velvet oder Frankie Knuckles. Irgendwann, und das klingt jetzt wie ein Klischee, wurde es mir da aber zu kalt. Ich wollte in die Sonne und zog nach Los Angeles. Hier formte sich mein Produktions- und DJ-Stil letztlich. Seitdem gelten für mich keine Grenzen mehr, ich möchte, dass in meinen Sets, Mixes und Tracks die Genres verschmelzen. Natürlich spielt R&B eine große Rolle für mich, aber ich würde mich nie darauf festlegen. Ich möchte in der Auswahl meiner Tracks frei sein. Sie zu finden ist übrigens nicht leicht. Man könnte denken, dass mir die kulturelle Vielfalt L. A.s dabei helfen würde. Aber es ist nicht so, dass man hier in einen Club stolpert und eine herausragende Cumbia-Band sieht. Die Szenen sind sehr hermetisch. Nichts passiert hier aus Zufall.

Daniel Pineda | Foto: Gadir Rajab | Styling: Mar Peidro | Jacke: The Kooples - T-Shirt: Phlemuns

Daniel Pineda

Als Solokünstlerin bin ich Ma Nguzu. Mit Daniel bilde ich das Duo Nguzunguzu. Den Namen habe ich entdeckt, als ich einen Kurs zu polynesischer Kunst besucht habe. Er bezeichnet eine Galionsfigur, die auf den Salomonen an Kanus montiert wird, um böse Geister abzuhalten. Daniel ist ein hingebungsvoller Musiker und Künstler, der sehr präzise arbeitet. Zwischen uns hat sofort die Chemie gestimmt. Was wichtig ist, wenn man zusammen auflegt. Wir haben nie ein vorgefertigtes Set, sondern folgen unserem Gefühl und schauen, wohin es führt. Zu Beginn kann das angsteinflößend sein, weil wir nie wissen, was letztlich dabei herauskommt. Anders läuft es bei unseren Mixtapes, die sind bis ins letzte Detail durchkomponiert. Eine Folge unserer Perfect Lullaby-Serie kann schon mal zwei Monate in Anspruch nehmen. Besonders die Auswahl der Tracks dauert sehr lang. Wir machen auch eigene Edits einiger Songs. Alles muss passen, es muss perfekt fließen. Wir verdichten den Sound, bis kein Ton mehr zu viel ist.

Natasha Ghosn | Foto: Gadir Rajab | Styling: Mar Peidro | Poloshirt: Coach - Ohrringe, Ringe und Armreife: Mondo Mondo

Natasha Ghosn

Natasha ist Teil einer Gruppe von Leuten, die ich noch aus Chicago kenne. Alles Künstler, die hier in Los Angeles richtig durchgestartet sind und Erfolg haben, was mich natürlich sehr freut. Natasha kann unglaublich gut zeichnen, und das spiegelt sich in ihrer Schmucklinie Mondo Mondo wider. Ihre Designs faszinieren mich sehr, ich habe so etwas vorher noch nie gesehen, es ist recht futuristisch. Neben Schmuck entwickelt sie auch Düfte. Sie sammelt Öle, aus denen sie dann Parfums mischt. Ihr Studio gleicht einem Laboratorium. Mein Lieblingsduft ist „Cowboy“. Er ist unisex und herb, erinnert an Leder, Tabak, Zypresse und Zedernholz. Auf den ersten Blick kann Natasha sehr einschüchternd sein, weil sie so elegant ist, sie überlässt nichts dem Zufall. Auch wenn sie nur zu Hause auf dem Sofa sitzt und ihre Katze hält, ist das ein makelloses Bild. Man traut sich erst einmal gar nicht, mir ihr zu sprechen. Wagt man es aber, dann ist sie der netteste Mensch. So entspannt. Ich habe sie noch nie aufgebracht erlebt.

James Flemons | Foto: Gadir Rajab | Styling: Mar Peidro | Jacke und Hose: Kenzo - Poloshirt: Hugo Boss

James Flemons

Die Freundschaft zwischen mir und James beginnt gerade zu erblühen. Wir kennen uns noch nicht so lange, haben uns im Clubkontext das erste Mal getroffen und sind in Kontakt geblieben, was nicht so oft vorkommt. Sein Label Phlemuns ist mir aber schon länger ein Begriff. Ich liebe seine Mode sehr. James ist ein unglaublich talentierter Designer. Seine Teile sind gemütlich, ein bisschen baggy, aber die Stoffe sind von hoher Qualität, man fasst sie unglaublich gern an, und sie sind äußerst elegant. Und so kann man eine Jogginghose von ihm mit High Heels tragen, das schließt sich keinesfalls aus. Es ist eine Mischung, die mich sehr anzieht. Sie kommt meinem Tomboy-Chic-Style entgegen. James arbeitet übrigens sehr eng mit seiner Mutter zusammen, sie ist seine Muse. Sehr ungewöhnlich, nicht wahr? Vielleicht kommt von ihr auch seine Liebe zu Mustern aus den 70er-Jahren, die er dann mit zeitgenössischen Materialien kombiniert. Alles sehr postmodern. Das passt zu meiner Musik. Ich brauche unbedingt noch mehr Teile von ihm.

Will Boston | Foto: Gadir Rajab | Styling: Mar Peidro |T-Shirt, Kappe und Kette: Privat - Schal: 69

Will Boston

Will ist einer der positivsten Menschen, die ich kenne. Voller Energie und ein tiefer Denker. Er hat mir sehr viel beigebracht. Er erklärte mir nicht nur den Sinn des Lebens – der unser Geheimnis bleibt –, sondern auch, wie man eine herausragende Quiche zubereitet. Seine Kochkunst ist legendär, seine vegetarischen Gerichte, er isst kein Fleisch, sind einmalig. So etwas findet man nicht so oft. Manchmal kocht er für die ganze Crew. Will kann auch sehr gut schreiben, er weiß, wie man mit Worten umgeht, kennt ihre Bedeutung genau. Er hat einige der Lyrics für Kelelas erstes Mixtape geschrieben, aber auch für andere Alben des Labels Fade To Mind, das er mitgegründet hat und für das ich Musik produziere. Sein Ziel war immer, Musikern wie uns einen Raum zu bieten, die daran interessiert sind, R&B mit elektronischer Musik zu verbinden, Under­groundmusik zu machen, die aber den Pop nicht vergisst, die trotz aller Schärfe zugänglich bleibt. Für diese Chance bin ich ihm dankbar.

Liv Barrett | Foto: Gadir Rajab | Styling: Mar Peidro | Jumpsuit: Maison Margiela - Mantel: Milly

Liv Barrett

Das erste Mal hörte ich von Liv, als mir ein Freund von einer Party in Berlin erzählte, die sie veranstaltet hat. „Body Xerox“, es muss unglaublich gut gewesen sein. Kurz darauf lernte ich sie in Los Angeles kennen. Und von da an ging ich bei ihr noch einmal auf die Kunsthochschule, denn Liv, die ursprünglich Australierin ist, betreibt seit zwei Jahren die Galerie Château Shatto. Ich habe ein wenig den Kontakt zur Kunstszene verloren, nachdem ich Chicago verlassen hatte. Aber Liv führte mich wieder ein und erklärt mir bis heute, wer gerade angesagt ist, wer einen besonderen Zugang zu seinen Fantasien gefunden hat. In ihrer Galerie stellt sie vor allem zeitgenössische Kunst aus, aber greift manchmal auch zurück. Vor Kurzem zeigte sie zum Beispiel Fotografien von Jean Baudrillard, was toll war und überraschend, weil die kaum jemand kennt, glaube ich. Manchmal finden im Château auch Performances statt. Einmal spielten Cellisten in Polizei­uniformen eine Sinfonie. Liv lässt sich immer etwas einfallen, und sie ist einfach einer der süßesten Menschen, die ich kenne.

69 | Foto: Gadir Rajab | Styling: Mar Peidro | Maske, Kragen, Kleid, Hose & Handschuhe: 69 - Stiefel: DKNY

69

69 ist sehr darauf bedacht, geschlechts- und namenlos zu erscheinen. Keiner soll wissen, wie 69 aussieht, deswegen sieht man auf dem Foto oben ein Double. Aber eines kann ich sagen, 69 ist sehr funky und ­besonders. Ihre Eigenheit schlägt sich im Design des gleichnamigen Modelabels nieder, das 69 betreibt. Alles ist sehr genau ausgesucht, von der Kleidung über den Instagram-Account bis zum Grafikdesign, alles ist im Fluss. 69 arbeitet fast ausschließlich mit Denim, neuerdings aber auch mit Leinen. Ich finde, 69 hebt die Arbeit mit diesen Materialien auf ein völlig neues Niveau. Es ist Mode für jeden, für alle Körperformen, sie bringt Geschlechtergrenzen zum Fließen, selbst für Hunde und Babys entwirft 69, wahrscheinlich auch für Aliens. Natürlich habe ich 69 auch schon ohne Maske gesehen, dahinter verbirgt sich ein wunderschönes Gesicht. Aber 69 möchte sich vor zu viel Öffentlichkeit schützen, vor allem im Netz. 69 möchte dem bösen, entwertenden Blick entgehen, einer Sache also, unter der wir alle hin und wieder leiden.

Redaktion: Benedikt Sarreiter

14.09.2016 | Kategorien Musik, News | Tags ,