Chanel Podcast 3.55 in Hyères

Im Podcast spricht Chanel, offizieller Partner des Hyères-Festivals, mit Größen wie Lou Doillon, Tilda Swinton und Bettina Rheims über den Begriff der Kreativität.

Tilda Swinton, Foto: Anne Combaz

Als Hauptsponsor der 33. Edition des Festival International de Mode et de Photographie und Förderer von jungen, kreativen Talenten hielt Chanel’s bekanntes 3.55 Podcast-Format auch dieses Jahr wieder Einzug in Hyères. Während der fünf Tage des Mode- und Fotografie-Festivals begrüßte Schauspielerin und Model Audrey Marnay verschiedene prominente Gäste, darunter Jean-Pierre Blanc, Gründer und Leiter des Festivals, Mitglieder der Jurys und Künstler der Veranstaltung 2018: Bettina Rheims, Tilda Swinton, Lou Doillon, Indien Madhavi, Malik Djoudi und Claire Laffut.

Gemeinsam hinterfragen sie den Begriff der Kreativität in maßgeschneiderten Gesprächen, die etwa 20 Minuten dauern. Sie bieten eine Chance zu verstehen, was Kreativität für die einzelnen Persönlichkeiten bedeutet, wie sie sich ihnen offenbart und stetig erneuert. Die Eins-zu-Eins Interviews erinnern ebenfalls an den persönlichen Weg der Künstler. Sie teilen besondere Momente, offenbaren unerwartete Augenblicke und wertvolle Gespräche. 

Lou Doillon, Foto: Anne Combaz

Die 35-jährige Schauspielerin und Sängerin Lou Doillon, Tochter von Jane Birkin und Jacques Doillon, startete ihre Schauspielkarriere im Alter von 5 Jahren mit Filmen von Agnes Varda. Später find sie an zu modeln, veröffentlichte im Jahr 2012 ihr erstes Musik-Album und schmückte letztlich mit ihren Illustrationen Porzellan der Marke Astier de Villatte.

Im Gespräch mit Audrey Marnay spricht die Künstlerin über die ständige Assoziierung mit ihrer bekannten Familie, die gleichermaßen als Hauptinspiration für ihre Kreativität galt. Durch die zahlreichen künstlerischen Berufe in ihrem Familienumfeld (Regisseur, Maler, Musiker, etc.) war Doillon seit ihrer Kindheit Zeugin des kreativen Schaffens ihrer Angehörigen. Der Prozess und die Freude an der Kreation beeinflusste nachhaltig ihren Bezug zur Kunst.

Der erste Kontaktpunkt zu ihrem kreativen Schaffen begann in ihrer Jugend, als sie begann sich mit Kleidung, Tagebüchern, Klavier und dem weihnachtlichen Ritual des Bastelns zu beschäftigen. Heute sind vor allem die Musik und das Zeichnen ihre Leidenschaft. Im Gegensatz zur Schauspielerei und zum Modeln findet sie es befreiend, autonom und ohne Bestätigungsdruck von außen zu arbeiten. Ihre teilweise nostalgische 60er und 70er-Jahre inspirierte Musik ist von ihrer Familie, Literatur, Poesie und Jazz beeinflusst.

Im Gespräch verrät Lou Doillon, dass die Künstlerin Louise Bourgeois zu einer ihrer großen Vorbilder zählt. Die ungehemmte Motivation und Freude am Schaffen, die die 80-jährige bis heute antreiben, inspirieren sie. Doch auch Langeweile führt zu Kreativität, findet Doillon. „Waiting as a pupil for the day to roll through, waiting for parents to come home back, waiting in the morning to go to school„, beschreibt sie, brachte sie dazu, mit dem Zeichnen zu beginnen. Die Kraft der Langeweile befreit, weil sie unsere Vorstellungskraft erweitert.

Bettina Rheims, Foto: Anne Combaz

Die für ihre provokante Glamour- und Aktfotografie bekannte Bettina Rheims hingegen erzählt im Interview, dass sie während der Nachkriegszeit in einer intellektuellen, jüdischen Familie groß wurde. Weil ihr Vater als Kunsthistoriker arbeitete, verbrachte sie die meiste Zeit ihrer Kindheit in Museen. Umgeben vom stetigen Diskurs über Kunst und schönen Dingen beschreibt sie ihr frühes Umfeld als Katalysator für ihre Kreativität.

Schon in ihrer Jugend fühlte sich Rheims in Dunkelkammern wohler als in der Umgebung von Erwachsenen. Als sie im Alter von 23 Jahren eine professionelle Kamera in die Hand nimmt, begreift sie zum ersten Mal, dass das Fotografieren zu ihrer Berufung werden und sie ihr ganzes Leben lang begleiten soll. Das Wort „Fotograf“ löste früh eine ganz besondere Resonanz in ihr aus und stand in ihren Augen für Freiheit und Glamour.

Die Fotografie sieht Rheims wie eine Art Tanz, bei dem sich Fotograf und Kamera aufeinander einlassen: anfangs mit Unbehagen und am Ende perfekt aufeinander eingestimmt. Während sich ihre Arbeit vorrangig mit den Themen der Weiblichkeit, Identität und Gender beschäftigt, begreift sich die Fotografin vor allem als Geschichten-Erzählerin und Frauen-Unterstützerin. Dazu teilt sie die Erinnerung an ihr Buch-Projekt Détenues, für welches sie provisorische Ateliers in Frauengefängnissen einrichtete, um den inhaftierten Frauen Menschlichkeit und Würde zurückzugeben. 

Während die Fotografin ihre Inspirationsquellen früher noch von Quellen wie Filmen und Ausstellungen bezog, ist es heute eher die Kreativität, die sie in ihrem Studio, hinter ihrem Computer oder in Gesprächen mit Freunden heimsucht. „Creativity is a way of life, always looking to be fed. It is something that lives with you, and sometimes you lack on it.“ beschreibt sie treffend.

Tilda Swinton, Foto: Anne Combaz

30 Jahre Filmgeschäft, vielseitig changierende Rollen und Looks machen aus Tilda Swinton eine Art schauspielerisches Chamäleon. Warum sie sich trotzdem nicht als Schauspielerin im klassischen Sinn sieht, erklärt sie im Interview. Sie begreift sich nämlich weniger als interpretierende Rolle, wie es Schauspieler normalerweise tun, sondern vielmehr als „Spielgefährtin“ eines Films, welche ein gewisses Maß an Urheberschaft verspüren möchte.

Als ersten Kontaktpunkt mit ihrer Kreativität erinnert sich die Schauspielerin an „something made out of dirt„, da sie ihre Freizeit als Kind größtenteils in den Wäldern ihres Heimatlandes verbrachte. Eine freundschaftliche Atmosphäre mit Menschen, die sie zu kennen glaubt und schätzt, beschreibt sie als größte persönliche Inspirationsquelle. Die Vorbilder der Schauspielerin? Sänger wie Patti Smith, David Bowie, Nick Cave und jeder Mensch, in deren Gegenwart sie ein Gefühl von Ausgelassenheit (im Gespräch bezieht sich ständig auf das Wort „relaxation„) und Ehrlichkeit empfindet.

Die gesamten Chanel Podcast 3.55 Gespräche sind seit dem 30. April hier anzuhören. 

Credits:

Fotos: Anne Combaz für Chanel