Die Raumpflegerin

Clarisse Demory verleiht ein rares Gut: Charakter. Das ist in der Pariser Modeszene gern gesehen, man kommt, isst – und wohnt in ihren Räumen auf Zeit.

Foto: Adrianna Glaviano

Zu ihren Kunden zählen Marken wie Lemaire, Crista Seya, Sophie Buhai, A.P.C. oder Barbara Casasola. Wenn Clarisse Demory einen neuen Auftrag bekommt, beginnt ihr Arbeitsprozess erst einmal damit, die Stilistik einer Marke bis in die geschichtlich verbrieften Details hinein zu erforschen. Im nächsten Schritt gestaltet sie für ihre Kunden dann Innenräume, in denen sie aus Blumen und Nahrungsmitteln, Düften und ausgewählten Kostbarkeiten eine wohnliche Welt entstehen lässt, um die von ihr erforschte Essenz einer Marke auf sinnliche Weise erfahrbar zu machen wie ein Parfum.

Foto: Adrianna Glaviano

Während der Pariser Modewoche konzipierte sie den Showroom des New Yorker Labels Maryam Nassir Zadeh mit einem Dinner. Taschen drapierte sie auf Bambusrollen, und dazu gab es Clairet aus überdimensionalen Weingläsern. Mit ihren eigenwilligen – tja: Installationen hat Clarisse Demory eine neue Form der Markeninszenierung erfunden, die derzeit vor allem in Paris begehrt wird.

Foto: Adrianna Glaviano

„Ich kann skandinavisches Design nicht mehr sehen“, sagt Frau Demory in einem Ton, der nahelegt, dass sich damit der Trend zum skandinavischen Design auch ein für alle Mal erledigt haben dürfte. Sie hat weder eine Assistentin, noch unterhält sie für ihr Unternehmen eine Website – aber mit knapp 34000 Followern auf Instagram braucht sie auch keine Öffentlichkeitsarbeit mehr. Erst seit acht Jahren ist sie in diesem Business tätig, im zählebigen Pariser Betrieb also eine Quereinsteigerin. Vielleicht wirkt ja deshalb bei ihr alles noch so frisch und stürmisch oder unverkrampft.

Foto: Adrianna Glaviano

Zwar sagt sie, die Arbeit würde von Tag zu Tag mehr, eine Assistentin bald unabdingbar – aber anders als viele andere strahlt Clarisse Demory, während sie so etwas sagt. Sie arbeitet viel, ist eine Perfektionistin und zeigt sich erst so richtig zufrieden, wenn ihr alles in allem gefällt. Sich selbst bezeichnet sie als fleißiges Bienchen. Ihre Installationen sind organisch, sie arbeitet mit Holz, den verschiedensten Obstsorten, verdorrten Pflanzen, dann wieder bunten Blüten.

Foto: Nicolas Sisto

Ihre Karriere als Rundumdekorateurin fing an mit einem kleinen Pariser Bistro in Belleville. Sie hatte der Besitzerin zu einem Tapetenwechsel geraten, diese drückte ihr einfach den Schlüssel in die Hand – Carte blanche.

Das Leben teilt manchmal üppig aus, denn dieses Bistro lag um die Ecke des Maison Martin Margiela selig. Dass sie dort wertvolle Kontakte knüpfen lernte, versteht sich von selbst. C’est la vie!

von Alisa Vornehm

11.12.2017 | Kategorien Magazin, Stil | Tags , , ,

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