Basquiats "Flesh and Spirit" für 30,7 Millionen versteigert

Ein ungewöhnlich großes Tafelbild des 1988 verstorbenen Künstlers Jean-Michel Basquiat brachte gestern auf einer Auktion von Sotheby in New York 30,7 Millionen Dollar ein. Das ist 2000 mal mehr als der ursprüngliche Kaufpreis vor 35 Jahren.

Foto: www.instagram.com/sothebys

”Flesh and Spirit“ besteht aus vier gleich großen, mit handelsüblichen Klammern aneinander montierten Platten, auf denen ein im für Basquiat typischen Graffiti-Stil gezeichnetes, gekratztes und gemaltes Schaubild des in der Europäischen Geistesgeschichte bis zur Aufklärung vorherrschenden Dualismus von Körper und Seele zu betrachten ist.

Interessant im Zusammenhang mit dem Verkauf, der beiweitem nicht den höchsten Preis für ein Werk des von Andy Warhol protegierten Künstlers markiert (im vergangenen Mai erwarb der japanische Entrepreneur Yusaku Maezawa ein mutmaßliches Selbstportrait von Jean-Michel Basquiat für 110,5 Millionen Dollar), ist der Bildaufbau, dem traditionelle Schaubilder der afrikanischen Kosmologie zugrundeliegen sollen.

Foto: Edo Bertoglio

Basquiat, der zum Beginn seiner Karriere auf ausrangierte Türblätter malte, weil er sich keine Leinwände leisten konnte, hat von seinem späten, durch spekulative Käufe befeuerten Ruhm indes nichts mehr. Auch davon handelt schließlich sein Bild: Der Mensch ist aus Physis, die Psyche sitzt im Gehirn – und wenn das Gehirn stirbt ist die Existenz beendet. Das aktuell versteigerte „Flesh and Spirit“ konnte er zwar fünf Jahre vor seinem Tod an einen befreundeten Graffiti-Künstler verkaufen – allerdings war die sogenannte Schwarze Kunst damals noch längst nicht en Vogue; ein Kunstmarkt, wie er sich im Zuge der Bankenkrise 2008 weltweit entfalten sollte, existierte ebenfalls nur vergleichsweise rudimentär und die Sammler kauften konservativ. Will heißen: weiß. So soll Jean-Michel Basquiat zu Lebzeiten für sein vier mal vier Meter großes Tafelbild die aus heutiger Sicht bescheidene Summe von 15 000 Dollar erhalten haben.

Hinweis: Bis zum 27. Mai 2018 widmet sich die Frankfurter Schirn in Form der großen Überblicksschau Basquiat. Boom for Real dem Werk des US-amerikanischen Künstlers.